Die rote Verschwörung (O:”Archangel”)

Wie gefährdet, oder besser gefragt, wie anfällig sind Gesellschaftsstrukturen für totalitäre, menschenverachtende Regime?

Resultiert es aus einer “momentanen” Schwäche, wie zum Beispiel einer Wirtschaftskrise? Oder sind langfristige Faktoren von Nöten, wie der Zerfall einer Großmacht, einer brüchigen, undurschaubaren Regierung, die sich hinter dem Mantel der Demokratie versteckt? Oder schaffen es diese Regierungen, große Teile des Volkes hinter sich zu bringen, in dem sie den Bürgern das (trügerische” Gefühl von Stabilität und Sicherheit vermitteln, mit dem Versprechen, dass es allen gut gehen wird?

Nun, gerade wir Deutsche haben unsere Erfahrungen damit gemacht. Und wenn man den Film gesehen hat, muss man doch feststellen, dass man viele Parallelen zu der näheren Deutschen Vergangenheit feststellen kann.

Zu dem Film selbst:

Der britische Historiker Fluke Kelso (ungewohnt aber nicht schlecht: “Bond”-Darsteller Daniel Craig als Professor), ein renomierter Stalin-Experte, erfährt auf einer Tagung in Moskau von der angeblichen Existenz eines geheimen Tagebuches von Stalin persönlich.

Der Informant wird wenig später in seiner Wohnung erschossen aufgefunden. Zusammen der Tochter seines Informanten, einer Moskauer Edelprostituierten, findet Kelso ein Tagebuch. Zwar ist es nicht von Stalin, sondern von einem bis dahin unbekannten Mädchen verfasst worden. Auf der Suche nach diesem Mädchen geraten Kelso und seine Komplizin in eine düstere Verschwörung, in der Postkommunisten, ein amerikanischer Reporter sowie russische Militärs verwickelt sind…

An dieser Stelle sollte jetzt nicht zu viel verraten werden, ansonsten verliert der Film seine Spannung.

Der Reiz dieses Films besteht hauptsächlich aus der guten Mischung zwischen Fiktion und Wirklichkeit. So macht derGedank, “was hätte wäre wenn…” schon recht nachdenklich, zumal der Film zeigt, wie anfällig Gesellschaften, die in den letzten Jahren große veränderungen durchmachen mussten, für Propaganda und Verführung sind. Die maßlose Verblendung und Verherrlichung, die Menschen dazu veranlasst, brutale Terrorregime zu verherrlichen, wird in dem Film durch die (fast schon klischeehafte) Figur des kleinen Mütterchens angeprangert, deren Tochter von Stalins Terrorapparat ermordet wurde, die aber selbst immer noch sein Charisma und seine Ausstrahlung anpreist, und regelrecht ins schwärmen gerät, wen sie von diesem Verbrecher spricht.

Andererseits wird auch das Bild des kühlen, sachlichen Kollaborateurs beschrieben, der die Ängste, Zukunftssorgen und Wünsche der Bevölkerung ausnutzt, um sich selbst finanziell zu berreichern, und um für den bevorstehenden Staatsstreich möglichst viel politischen Einfluß zu sichern.

Alles in allem ein durchaus sehenswerter Film, auch wenn er vielleicht etwas reißerisch ausgelegt ist.

Aber er regt zum Nachdenken an. Und das ist es doch was zählt, oder?

~ von predo - Juni 27, 2007.

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